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Für viele Rollstuhlfahrer steht ein manueller Rollstuhl für Freiheit, Kontrolle und Unabhängigkeit. Er ermöglicht es den Menschen, sich eigenständig zu bewegen, körperlich aktiv zu bleiben und alltägliche Umgebungen präzise zu navigieren. Langfristiges manuelles Antriebstraining hat jedoch seinen Preis. Schultern, Ellbogen und Handgelenke sind täglich wiederholten Belastungen ausgesetzt, was oft zu Ermüdung, Schmerzen oder langfristigen Verletzungen führt.
Hier kommt die Power-Assist-Technologie ins Spiel und verändert die Situation still und effektiv.
Power-Assist-Systeme sollen nicht Ihre Anstrengung ersetzen oder einen manuellen Rollstuhl in ein voll motorisiertes Gerät verwandeln. Stattdessen sind sie darauf ausgelegt, Ihre Bewegung zu unterstützen, die körperliche Belastung zu reduzieren und die Reichweite und den Komfort Ihrer Fortbewegung zu erhöhen – während das vertraute Gefühl eines manuellen Rollstuhls erhalten bleibt.
Im Kern fügt ein Power-Assist-System einem manuellen Rollstuhl kleine, intelligente Motoren hinzu. Diese Motoren aktivieren sich nur nachdem Sie die Bewegung eingeleitet haben, indem Sie die Rollreifen oder den Steuermechanismus betätigen. Mit anderen Worten, nichts bewegt sich, solange Sie nicht selbst aktiv werden.
Sie sind weiterhin verantwortlich für:
Anfahren und Anhalten
Steuern und Wenden
Geschwindigkeit anpassen
Hindernisse überwinden
Das System macht jeden Schub einfach effizienter. Ein einzelner Schub bringt Sie weiter, der Widerstand beim Bergauffahren wird reduziert und unebenes Gelände belastet den Körper weniger.
Dieses Gleichgewicht – zwischen Unterstützung und Autonomie – macht Power Assist für viele Nutzer attraktiv, die noch nicht bereit für oder nicht auf einen voll motorisierten Rollstuhl angewiesen sind.
Manuelles Rollstuhlantrieb belastet relativ kleine Gelenke, insbesondere die Schultern, wiederholt. Im Laufe der Zeit kann dies zu folgenden Beschwerden führen:
Rotatorenmanschettenverletzungen
Sehnenentzündungen
Karpaltunnelsyndrom
Chronische Gelenkschmerzen
Kliniker beobachten diese Probleme oft schleichend, insbesondere bei aktiven Nutzern, die täglich weite Strecken zurücklegen oder häufig Rampen und unebenes Gelände bewältigen.
Power Assist adressiert dieses Problem durch:
Reduzierung der benötigten Kraft pro Schub
Verringerung der Gesamtzahl der benötigten Schübe
Minimierung der Belastung beim Anfahren, Anhalten und Bergauffahren
Das Ziel ist nicht, die körperliche Aktivität zu eliminieren, sondern sie nachhaltig über Jahre hinweg – nicht nur Monate – zu gestalten.
Power-Assist-Systeme basieren auf einer Kombination aus Sensoren, Motoren und Batterien, die nahtlos im Hintergrund zusammenarbeiten.
Wenn Sie den Rollreifen betätigen, messen Drehmomentsensoren sofort, wie viel Kraft Sie aufwenden und in welche Richtung. Das System reagiert proportional: Ein sanfter Schub erhält leichte Unterstützung, ein stärkerer Schub löst mehr Unterstützung aus.
Nach der Aktivierung liefert der Motor kurzzeitig weiterhin Unterstützung, auch nachdem Sie die Hände vom Reifen genommen haben. So kann der Rollstuhl Schwung halten und mit jedem Schub weiter fahren.
Wichtig: Die Unterstützung stoppt sofort, wenn:
Sie aufhören zu schieben
Sie die Bremsen betätigen
Das System eine Sicherheitsaktion erkennt
Diese sofortige Abschaltung stellt sicher, dass der Rollstuhl niemals „wegläuft“. Die Kontrolle bleibt stets in Ihren Händen.

Motorisierte Radsysteme
Diese ersetzen die Standard-Hinterräder eines manuellen Rollstuhls. Motoren, Sensoren und Batterien sind direkt in die Radnaben integriert, wodurch das System optisch sauber und gut ausbalanciert ist.
Dank der Integration:
Bleiben die ursprünglichen Fahreigenschaften des Rollstuhls erhalten
Funktioniert sowohl drinnen als auch draußen gut
Sind minimale Änderungen der Antriebstechnik erforderlich
Viele Nutzer bevorzugen diese Option, weil sie sich wie eine natürliche Erweiterung ihres bestehenden Rollstuhls anfühlt, anstatt wie ein zusätzliches Gerät.
Zusätzliche Antriebsunterstützungseinheiten
Diese Systeme werden am Rahmen des Rollstuhls befestigt und verwenden ein separates Antriebsrad zur Unterstützung. Sie sind oft abnehmbar und können bei Nichtgebrauch deaktiviert werden.
Drive-Assist-Einheiten werden häufig gewählt für:
Reisen im Freien
Längere Strecken
Nutzer, die zwischen assistierten und nicht-assistierten Modi wechseln möchten
Allerdings kann die Manövrierfähigkeit in engen Innenräumen im Vergleich zu radintegrierten Systemen leicht beeinträchtigt sein.
Moderne Power-Assist-Systeme verwenden typischerweise Lithium-Ionen-Batterien, die ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Kapazität und Gewicht bieten. Je nach System und Gelände ermöglicht eine volle Ladung oft eine vollständige Tagesnutzung.
Die meisten Systeme beinhalten:
Batterieanzeige
Einfache Ladeanschlüsse oder Dockingstationen
Übernacht-Lademöglichkeit
Allerdings erhöht die Power-Assist-Technologie das Gesamtgewicht des Rollstuhls. Für Nutzer, die ihren Rollstuhl häufig ins Auto heben, ist dies ein wichtiger Faktor. Einige Systeme ermöglichen das Entfernen der Batterien oder Räder, um den Transport zu erleichtern.
Rampen und Steigungen
Das Bewältigen von Rampen erfordert anhaltende Kraft und belastet die Schultern stark. Power Assist reduziert die benötigte Kraft, um vorwärts zu kommen, und hilft, ein Zurückrollen zu verhindern, was Aufstiege sicherer und weniger ermüdend macht.
Raues oder unebenes Gelände
Risse im Bürgersteig, Schotterwege und abgenutztes Pflaster stören den Schwung. Power Assist kompensiert diesen Widerstand und ermöglicht eine gleichmäßigere, kontinuierlichere Bewegung ohne ständiges Neustarten.
Innenräume
Gut kalibrierte Power-Assist-Systeme reagieren auch bei sehr niedrigen Geschwindigkeiten präzise. Exakte Bewegungen – z. B. an einem Tisch ausrichten, enge Türöffnungen passieren oder in engen Räumen wenden – bleiben gut kontrollierbar und vorhersehbar.
Power Assist eignet sich besonders für:
Personen mit ersten Anzeichen von Schmerzen im oberen Bewegungsapparat
Nutzer mit reduzierter Ausdauer, aber ausreichender Kraft für manuellen Antrieb
Menschen mit fortschreitenden Erkrankungen, die Ausdauer oder Gelenkgesundheit beeinträchtigen
Personen, die zwischen manuellem und motorisiertem Rollstuhl wechseln
Es wird auch häufig als präventive Lösung empfohlen, um aktive Nutzer vor ernsthaften Gelenkschäden zu schützen.
Eine fachgerechte Einschätzung durch einen Rehabilitationsspezialisten stellt sicher, dass das System zu Kraft, Koordination und täglichen Routinen des Nutzers passt.
Power Assist liegt zwischen manuellem und vollständig motorisiertem Rollstuhl.
Mit Power Assist:
Bleiben Sie körperlich aktiv
Behalten Sie ein hohes Maß an Kontrolle
Transport ist im Allgemeinen einfacher
Innenraum-Manövrierfähigkeit bleibt hervorragend
Voll motorisierte Rollstühle hingegen sind erforderlich, wenn manueller Antrieb nicht mehr sicher oder machbar ist. Sie nehmen die körperliche Belastung vollständig ab, haben jedoch Nachteile bei Größe, Transport und Nutzerengagement.
Die Entscheidung zwischen beiden hängt weniger von „besser“ oder „schlechter“ ab, sondern vielmehr davon, was zu Ihren aktuellen Bedürfnissen und zukünftigen Zielen passt.
Keine Mobilitätslösung ist perfekt. Power-Assist-Systeme erfordern:
Regelmäßiges Aufladen
Gelegentliche Wartung
Höhere Anschaffungskosten
Die Versicherung erstattet unterschiedlich je nach Land und Anbieter, und häufig ist eine klinische Begründung nötig. Für einige Nutzer überwiegen das zusätzliche Gewicht oder die Systemkomplexität die Vorteile.
Ein Verständnis dieser Abwägungen im Voraus hilft, Enttäuschungen zu vermeiden.
1. Macht Power Assist im Laufe der Zeit schwächer?
Nein. Power Assist erfordert weiterhin aktive Fortbewegung. Die meisten Nutzer setzen ihre Oberkörpermuskulatur ein und reduzieren gleichzeitig die schädliche Überlastung der Gelenke. Es unterstützt die Ausdauer, ersetzt die Anstrengung aber nicht.
2. Ist Power Assist für den Innenbereich geeignet?
Ja. Bei richtiger Einstellung reagieren Power-Assist-Systeme auch bei niedrigen Geschwindigkeiten präzise, sodass eine genaue Steuerung in Häusern, Büros und öffentlichen Gebäuden möglich ist.
3. Woran erkenne ich, ob Power Assist für mich geeignet ist?
Eine klinische Bewertung durch einen Therapeuten oder Mobilitätsspezialisten ist der beste Ausgangspunkt. Sie können Kraft, tägliche Mobilitätsbedürfnisse und langfristige Gelenkgesundheit beurteilen, um festzustellen, ob Power Assist eine passende Lösung ist.